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Olympiade des Leidens

Die ewige Olympiade des Leidens.
Das Psycho-Patienten-Turnier.

Ich habe keinen Bock, mich auszutauschen - wenn es lediglich darum geht, den oder die anderen zu übertrumpfen. Wer hat die krassesten Geschichten zu erzählen? Wer hat insgeheim die beeindruckenste Diagnose? Wer war am längsten und am meisten in Krankenhäusern? War es lediglich ein Weichspül-Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik? Oder die Psychiatrie? Besser: Auf der geschlossenen Station? Noch besser: Etwa mit richterlichem Beschluß?

Wie sehr auch betont wird, wie schrecklich das ja alles für einen ist - lässt sich nicht auch ein bisschen so etwas wie Stolz heraushören?

Die innerliche Bestätigung, wie arm dran, bemitleidenswert, wie sehr Opfer man ist?

Kein Wunder, wird doch in dieser ganzen Psychiatrie-Betreuungs-Mühle gezwungenermaßen meist nur negatives Verhalten bestärkt.
"Wenn es mir schlecht geht, bin ich präsent und bekomme Zuwendung."

"Geht es mir gut, bin ich auf einmal allen egal und stehe wieder alleine da."

26.3.10 22:05


Psychopharmaka

Anfänglich ist es doch wunderbar, wenn sich nach dem Schlucken der Pillen einfach nur Ruhe und Taubheit im überfüllten Inneren einstellt. Nach dem jahrelangen Chaos und Quälen sind die Schmerzen endlich einmal abgeschaltet und du kommst zur Ruhe. Taubheit und ein übriggebliebenes Minimum an Gefühlen stellen kein Problem dar. Denn du liegst in deinem Krankenhausbett und deine Welt beschränkt sich eh auf dieses Bett, dieses kleine Zimmer. An der verriegelten Stationstür endet deine Welt. Du musst nicht mitfühlen, denn da ist niemand, der dein Mitgefühl braucht. Du brauchst deine Leidenschaft nicht mehr, schlafen und essen kannst du auch ohne Leidenschaft. Die Tage ziehen an dir vorbei und du bemerkst nicht einmal, wie schnell sie an dir vorbeiziehen.

Dann wirst du wieder hinausgeworfen, in eine viel zu große Welt. Und auf einmal bist du falsch.

Wo ist dein Gefühl? Wo ist deine Freude? Wo ist deine Trauer? Wo ist deine Anteilnahme?

Aber du schluckst die Pillen weiter. Denn wieviel schlimmer war es ohne sie.

Absetzversuche auf eigene Faust enden nicht wie erhofft. Sie machen nicht deinen Kopf abhängig, jedoch deinen Körper. Du fühlst dich wie auf Drogen, in deinem Hirn dreht sich alles und du musst kotzen während du schwitzt und deine Beine zittern.

Also schluckst du sie weiter.

Gehst alle paar Monate zur Blutuntersuchung. Dass die guten Pillen deine Leber angreifen können, weißt du genauso gut wie die Ärzte. Ebenso weißt du bestens über mögliche Nebenwirkungen und Spätfolgen bescheid.
Doch darf man davor Angst haben, wenn sie das Leben doch soviel einfacher und erträglicher machen und dein Arzt dir sagt, du sollst sie lieber noch weiter nehmen?

Natürlich hast du selbst die Verantwortung darüber, ob du sie weiterhin brav schluckst oder nicht.

Doch die Angst vor dem Brand in dir selbst ist zu groß.

Also schluckst du sie weiter.
Auch wenn es einfach nur Drogen auf Rezept sind.

17.12.09 19:33





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